23. Die letzte Fähre
Folge 24 (90 Min.)
Bei einer Schießerei mit dem aus dem Gefängnis geflohenen Mörder Wigald Tomke (Milton Welsh) wird Hauke (Hinnerk
Schönemann) lebensbedrohlich verletzt. Als er
anschließend auf seinem Boot wieder zu sich
kommt, wirkt zunächst alles wie immer. Doch
schon bald bemerkt Hauke, dass die Welt, wie
er sie ursprünglich kannte, völlig auf dem
Kopf steht und er der Einzige ist, dem das
aufzufallen scheint. Nur Wigald Tomke ist
immer noch derselbe und ermordet einen
beliebten Schwanitzer nach dem anderen.
Aber wie kann das sein?! Die Antwort auf
diese Frage liefert Hauke sein eigentlich längst
verstorbener Freund Simon Rost (Rainer
Furch): Hauke liegt in Wahrheit im Koma.
Genau wie Wigald Tomke. Und der Kampf
zwischen Tomke und ihm ist ein Kampf darum, wer von beiden wieder ins Leben zurückkehren darf …
Konservative Fernsehzuschauer sollten sich
diese schön schräge, unkonventionell erzählte
Episode dennoch keinesfalls entgehen lassen.
Der Parallelwelt-Switch funktioniert in „Die
letzte Fähre“ völlig anders als beispielsweise
in den philosophisch-bizarren Kopfgeburten
einiger Tukur-„Tatorte“, allen voran „Murot
und das Murmeltier“ oder „Wer bin ich?“.
In diesem Schwanitzer Totentanz muss man
das Gesehene nicht ständig mit der
veränderten Wirklichkeit abgleichen und
Übersetzungsarbeit leisten, die Energie und
Konzentration kostet. Das macht diesen Film
nicht nur sehr viel leichter zugänglich,
sondern auch dessen Wechselbad der Gefühle
besser goutierbar. Die seltsame Welt mag Distanz schaffen, andererseits ermöglicht es der Film, dass man trotzdem an den
Bildern hängenbleibt. Die Wirkung dessen, was wir sehen, die Schusswechsel, die Spannung, die Geständnisse im Angesicht
des Todes („Die Wahrheit ist…“) oder die Tragik sind stärker als das im Kopf abgespeicherte Wissen um die Geschichte der
Zwischenwelt; sie wirken direkt, unmittelbar, emotional.